Interview-Serie Teil 8: Marco Henne

Nach einer kleinen Verschnaufpause folgt heute wie schon angekündigt noch ein Plausch mit einem „Ehemaligen“. Da Marco derzeit im Kinzigtal Heimaturlaub macht, haben wir die Gelegenheit genutzt ein paar Fragen zu stellen.

SG: Hallo Marco, wie einige jetzige SG-Fans bzw. frühere TVW-Fans wissen, hast Du vor 15 Jahren in der Landesliga Nord für die „Wölfe“ im Tor gestanden. Wie geht es Dir derzeit, wenn man mal die Corona-Auszeit außen vor lässt? Was treibst Du so?

Marco: Trotz der Krise geht es mir derzeit blendend. Endlich hat man Zeit Projekte anzugehen, die immer warten mussten. Meine Zeit verbringe ich derzeit in meiner Heimatstadt Hausach, somit back to the roots, u.a. fleißig in den Bergen am Sporteln und Einkaufen für die Oma :-). Ansonsten bin ich von Berufs wegen täglich an den Aktienbörsen der Welt aktiv, investiere und verfolge die Märkte ununterbrochen.

SG: Mit 18 hast Du dann schon nach Höherem gestrebt. Wie verlief dein weiterer handballerischer Werdegang?

Marco: Nach meiner Station beim TV Wolfach ging es für mich als 3. Torwart zum TV Willstätt in die 2. Bundesliga, bei dem ich überwiegend vorerst in der 2. Mannschaft Oberliga BaWü zum Einsatz kam. Welch ein großer Sprung und plötzlich wurde man für sein Hobby bezahlt. In der darauffolgenden Saison bekam ich schon meinen ersten Profivertrag und konnte mein Hobby zum Beruf machen; ein Traum ging in Erfüllung. Später wurden wir umfirmiert in Handball Region Ortenau und wollten den Aufstieg in die 1. Bundesliga anstreben. Nach der Insolvenz der HRO bin ich im Alter von 22 Jahren in das Saarland zur HG Saarlouis (2. Bundesliga) gewechselt. Im nächsten Jahr folgte ich einem lukrativen Angebot des Ligakonkurrenten TSG Groß-Bieberau (nahe Darmstadt). Hier legte ich den Grundstein für meine Zeit nach dem Sport. Ich absolvierte bei einer Investmentbank in Frankfurt ein Praxissemester und entdeckte mein Talent hierfür. Nach einem Jahr bei der TSG und etlichen Angeboten aus dem Ausland (Schweiz, Frankreich, Luxemburg) ging  ich zurück zum TV Willstätt, der mittlerweile nach der Insolvenz wieder in der Oberliga BaWü spielte und ambitionierte Ziele mit Aufstieg etc. hatte. Dies konnte ich hervorragend verbinden, um mein Studium zu beenden und nach der Karriere ins Investmentbanking zu wechseln. Nach 2,5 Jahren TV Willstätt musste ich meine Karriere leider vorzeitig aufgrund eines sehr schweren Autounfalls beenden.

SG: Wer sind deiner Meinung nach derzeit die 3 besten Handballtorhüter in Europa?

Marco: Mein alter Widersacher Andreas Wolff, Niklas Landin und Apard Sterbik, der jetzt sein Laufbahnende verkündet hat.

SG: Welche Erinnerungen verbindest Du mit deiner TVW-Zeit?

Marco: Long time ago, aber dennoch so präsent als wäre es gestern gewesen. Meine erste und letzte Herrensaison beim TVW war sehr kurios mit dem Punktabzug mitten in der Saison, weil Ingo Sum keinen aktuellen Pass hatte ;-). Die Stimmung in der Halle zu dieser Zeit werde ich nie vergessen, einfach nur klasse unsere Ultras/Supporters. Ebenso durfte ich tolle Menschen kennenlernen, von denen ich sportlich, wie auch menschlich viel lernen durfte. Ich bin sehr dankbar für die Zeit.

SG: Welche Tipps kannst Du jungen Keepern geben, um ein sehr gutes Leistungsniveau zu erreichen oder gar Profi zu werden.

Marco: Das wichtigste sind Ehrgeiz und Wille, immer einen Schritt mehr zu laufen/tun als jeder andere. Was sehr unterschätzt wird ist mentales Training. Spiele werden zuerst im Kopf gewonnen, bevor der Körper folgt!